Cadians, Cajuns : "Was ist das ?"
LES CADIENS …CAJUNS … LES HARICOTS … ZYDECO… « Was ist das ? ! »
CAJUN : englische Abwandlung des französichen Wortes Acadien (Akadier/akadisch) oder auch Cadien.
Die Akadische Geschichte ist eine einzigartige Odyssee, es ist die Geschichte einer Abschiebung.
Im 15. Jahrhundert auf der Suche nach neuen Territorien streitet sich die ‘Alte Welt’ (Frankreich, Spanien, Portugal, die Niederlande, England) um Eroberungen, und so findet der Genueser Christoph Columbus bei der Erkundung des westlichen Seeweges nach Indien den Weg nach Amerika. Von nomadischen Staemmen besiedelt, welche wahrscheinlich vor mehreren tausend Jahren aus Asien kamen, war dieser ferne Kontinent bis dahin unerforscht geblieben. Bereits in praehistorischen Zeiten hatte das Mississippi-Becken als Lebensstaette fuer menschliche Siedlungen gedient, die ersten Entdecker der „Neuen Welt“ waren Indianer, Wikinger, Kabeljau-Fischer und Fallensteller (auf franzoesisch auch „Waldlaeufer“ genannt).
Neu–Frankeich wird 1541 durch Franz I. an Frankreich angeschlossen und die Provinz Akadien (frz. l’acadie, der kuestennahe Osten Kanadas) wird 1604 gegruendet.
Die ‘Cadien’ (gesprochen etwa: kadjae) von heute sind die Nachkommen franzoesischer Kolonisten die aus der Bretagne, dem Poitu (oder auch ‚Piktavien’ genannt/Westkueste Frankreichs) und der Normandie kamen. Sie waren geschickte Bauern und Fischer, die sich an das rauhe Klima dank der Hilfe der eingeborenen ‚Mi’qmac’ Indianerstaemmeanpassten und mehr als ein Jahrhundert in wirtschaftlicher Unabhaengigkeit lebten, isoliert vom Mutterland Frankreich.
1682 erforscht Robert Cavelier den Flusslauf des Mississippi von den grossen Seen Nordamerikas bis an sein Delta und tauft die neuen Gebiete zu Ehren von Ludwig (frz.: Louis) IVX. Louisiana. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ist 1/3 Amerikas franzoesisch. Die wachsenden Konflikte zwischen Frankreich und England fuehren dazu, dass Akadien 1713 mit dem Vertrag von Uetrecht England zugeordnet wird.
1755, gleichermaßen mit dem Ziel diese Gemeinschaft, die der englische Krone die Gefolgschaft verweigert auszumerzen und wegen der Ablehnung ihres katholischen Glaubens gleichermaßen, ordnet Gouverneur Charles Lawrence die Deportation dieser Aufsaessigen an. Etwa 18000 Akadier werden aus ihren Haeusern verjagt, ihre Familien auseinandergerissen und in anderen englischen Kolonien und Gefaengnissen verstreut. Es herrscht ‘Die Grosse Verstoerung/Verwirrung/

Claude Picard
Waehrend einige der Verstreuten sich wieder in der Provinz Quebec sammeln kann, kommt die Haelfte auf den Weltmeeren ums Leben. Nach 9 Jahren des Irrens auf den Ozeanen und durch die Gefaengnisse entlang der ostamerikanischen oder europaeischen Kuesten, auf den Antillen oder Santo Domingo (heute Domenikanische Republik) gelingt es den Ueberlebenden den Sueden Louisianas fuer sich zu gewinnen, ungeachtet der Tatsache das dieser seit 1763 spanisch ist.
Dort, abgedraengt in die subtropischen Sumpfzonen des MISSISSIPPI – dem Atchafalaya Fluss und die Bayous… mit ihren ‚cocodrilles’ (Alligatoren) und ihren‚maringoins’ (Mosquitos) …den ‚ouaouarons’ (Ochsenfroeschen) in den Flussebenen, tief im Sueden von Louisiana… bauen sie ihre Gesellschaft wieder auf, gemeinsam mit Indianern, Abkoemmlingen der Sklaven und europaeischen Einwanderern, diese Kulturen assimilierend, versuchen sie, ihre Traditionen und ihren katohlischen Glauben zu bewahren. Um zu ueberleben fischen sie oder stellen Fallen in den ‚meches’ (frz. fuer Straehnen – Suempfe deren Baumbestand von dem charakteristischen Louisianamoos ueberwachsen ist, das wie Straehnen langen Frauenhaars von den Aesten herabhaengt) oder sie kultivieren die Boeden der Prairie und errichten einfache Holzhuetten.
Aus dieser Mischung von Kulturen entsteht eine neue Gemeinschaft : die ‚Cadiens’ werden zu ‚Cajuns’, sie leben am gesellschaftlichen Rand der englischsprachigen Gemeinde: „Und wir‚ heute (in cajun frz. ‚Nous autr’ asteur’), wir sind Amerikaner, aber wir sind keine Englaender’.
1803: Fuer 15 Millionen Dollar verkauft Bonaparte Louisiana an die noch jungen Vereinigten Staaten: die Einwohner Louisianas erfahren erst jetzt das sie seit drei Jahren Franzosen waren, aber noch im selben Jahr werden sie zu Amerikanern! Und da sie mit einem soliden Sinn fuer Humor ausgestattet sind, wird dies spaeter so kommentiert: „Statt Louisiana haette man ihnen lieber Frankreich verkaufen sollen!“

Die Musik hat sie immer begleitet: die alten franzoesichen Lieder, die am Abend gemeinsam gesungen wurden, religioese Lieder, gesungene Reels mit viel Rythmus zum Tanzen, Kreis- und Quadrillen-Taenze und auch Musik zu Maerchen und Legenden.
Ab 1760 mit dem zunehmenden Gebrauch der Geige, kamen die ersten typischen Feste in privaten Heimen auf, die „ bals de maison“ (frz. fuer Haus-Ball) oder „ Fais-Dodo“(frz. fuer „Schlaf- ein“-, wie die Kinder, die von ihren Muettern - nach getaner Arbeit- hastig in Nebenraeumen gebettet wurden, damit diese dem gemeinschaftlichen Tanz im Hauptraum nicht fern bleiben musseten), mit ihren Mazurkas, Polkas, Menuetten, Kontertaenzen, Jigs, Walzern, One Steps und Two steps.
Ende des 19. Jahrhunderts dominiert das diatonische Melodeon, von deutschen Einwanderern mitgebracht, mit seiner kraftvollen Klangfuelle. Eine einzige Tonart, eine Reihe mit zehn Tasten verlangt den Musikern ab, Kreativitaet beim Spiel ihrer Instrumente zu entwickeln und foerdert dabei, was spaeter zum charakteristischenMerkmal dieses Musikstils wird.
Die traditionellen poitivinischen Klaenge werden zu einem Gumbo aus kreolischen Rhythmen „exotisiert“, indianischer Singsang wird hinzugegeben, gewuerzt mit mexikanischer Gitarre und mit abgeschmeckt mit Percussion-Instrumenten: ‘tit fer („kleines Eisen“ auch Triangel genannt), Waschbrett, Loeffel... und dem franzoesischen Blues. Sie komponieren ihre Lieder mit dem Rythmus von Maultier und Pferd und druecken in ihnen ihre Freude am Leben oder ihre Leiden als Verliebte mit gebrochenem Herzen damit aus und auch den harten Alltag. Ab 1928 werden die ersten „Hits“ auf Tontragern festgehalten.
Die Entdeckung von Oel- und Gasvorkommen (1901, in der Naehe von Jennings) der Erste Weltkrieg und die Industrialisierung beenden die Isolierung Louisianas. Unter T. Roosevelt (1916) wird Englisch Pflicht: eine Nation, eine Sprache. In der Schule werden die ‘Cadien’ bestraft wenn sie franzoesisch sprechen: „I will not speak french on the schoolgrounds“ („ich darf auf dem schulhof kein franzoesisch sprechen“)…
Ihre Sprache bleibt ein altertuemliches baeuerliches Franzoesisch, aehnlich dem im 17. Jahrhundert, das mit einigen englischen Begriffen veschnoerkelt ist.
Viele von Ihnen verlassen Louisiana um in Texas oder am Golf von Mexico „im Oel“ (in der Oelbranche) zu arbeiten.
In den 30er Jahren bringt diese Amerikanisierung Veraenderungen: die Musik naehert sich dem Country und dem Swing, die String-Band entsteht, Musik kann elektrisch verstaerkt werden… und die englische Sprache wird gesungen. 1948 belebt Iry LEJEUNE den traditionellen Stil und das Akordeon wieder und mit Nathan Abshire erlebt die ‘music cadienne’ eine Renaissance. 1960 beginnt Marc Savoy, ein renommierter Musiker, « Acadien » Akkordeone herzustellen. Initiiert von Intellektuellen und Musikern, wird die Bewegung 1964 mit der Entstehung des Festivals von Newport (neben anderen durch die Gebrueder BALFA) und der Gruendung des CODOFIL 1968 (Conseil pour le développement du Français en Louisiane , dem Rat fuer die Entwicklung des Franzoesischen in Louisiana) unterstuetzt. Ihr Ziel ist die Wiederaufwertung des „franzoesischen Erbes“ – der Sprache – der Kultur- der Musik- mit der fast eine Millionen Menschen franzoesischer Herkunft (in den Vereinigten Staaten) verbunden ist.
ZYDECO : englische Abwandlung des franzoesischen Wortes : (Les) HARICOTS

Eine andere Art der Deportation erduldeten die Afrikaner, verschleppt in Sklaverei und von 1713 bis zu den Sezessions-Kriegen zur Arbeit in Baumwollpalantagen, Rohrzucker- und Indigoplantagen gezwungen und die Haitiianer, welche Akadiana (Neu-Akadien oder auch Louisiana) nach der Revolution von Santo Domingo erreichten. Befreit mischen sich diejenigen, die sich in Akadiana niederlassen, zwischen die Cajuns und werden ihrerseits zu Katholiken und Farmern. Wie die Weissen beherrschen sie Instrumente wie Geige und Akkordeon, das franzoesische Liedgut, denn auch sie spielen auf den „bals de maison“.
Nur einige Monate nach dem Erscheinen der ersten Schallplatte eines weissen Cajun, Joseph Falcon, („ Allons à Lafayette“) 1928, kommen auch Schallplatten von zwei farbigen Cajuns heraus: die des Geigers Douglas Bellard („La Valse de la Prison“), und die des Akordeonspielers Amédée Ardoin (6 Titel, begleitet durch den Cajun Dennis Mac Gee), ihrerseits aufgenommen im Jahr 1929. Amédée Ardoin wird als Pionier der „ Haricots“ - Musik gesehen.
Manchmal auch „la la“ genannt, wird aus diesem Begriff fuer die Musik der Creolen zunaechst der Ausdruck „ Zaricos“, -und dann english verfremdet „Zydeco“- urspruenglich abgeleitet von „Haricots est pas salés“ (‘die Bohnen sind ungesalzen’). Bekannt geworden war dieser Ausdruck durch ein kreolisches Lied aus dem Sued-Westen von Louisiana das Clifton Chenier (aus Opelousas) auf dem Klaviatur-Akkordeon zu Beginn der 60er spielte.
Das Akkordeon ist meist chromatisch und bevorzugt repetitiv. Waschbrett und elektrische Gitarre sind sehr gegenwaertig, zuweilen hoert man sogar Trompeten- oder Saxofonsolos. Waehrend der Zydeco von Clifton eher Rythm n’Blues und Rock n’Roll ist, wird in den kreolischen Arbeitervierteln der Staedte wie Houston, Galveston oder Port Arthur (Raffinerien), gleichzeitig der Zydeco von Boozoo Chavis gespielt. Dieser hat einen wilderen Klang und obwohl er auch aus einer laendlichen Umgebung stammt (um Lake Charles), ist er dissonnant und syncop, vewandt mit den Klaengen der Trance Musik afro-caribisch-amerikanischer Wurzeln, und begruendet den modernen Zydeco. Der ZARICO ist scharf und lebendig!
Heutzutage fuehren die neuen Generationen dies mit Talent und Umtriebigkeit fort. Die Musik entwickelt sich, immer noch mit ‚koestlichen’ Texten im Dialekt der ‘cadien’, jedoch die Percussion und Baesse sind betonter, die Mischung mit dem Zarico der Kreolen, sie singen auf englisch, geht vertraulicher vor sich und auch der zigeunerisch gepraegte Western Swing wird als Klangfarbe wiedergewonnen.
Die ‘Cadien’ sind bekannt fuer ihre Gastfreundschaft, Freundlichkeit und Feierfreude auf Festen. In Louisiana werden Festivals das ganze Jahr durch gut besucht. Mardi-Gras ist praktisch ein Nationalfeiertag! An ihm wird kreolische Kueche in warmherziger Atmosphaere gegessen, und man tanzt zum schwungvollen Klang der ansteckenden und ‘wuerzigen’ Musik, zu Rhythmen von Two Step, Walzer und Cajun Freeze oder Zydeco und… man laesst die guten Zeiten ‚rollen’ (’laisser le bon temps rouler) !
Viviane Martinet
(Uebersetzt von Heike de Buhr)